20 Daily Scrum Anti-Patterns

Scrum Anti-Patterns Guide — Berlin Product People

In Kürze: 20 Daily Scrum Anti-Patterns

Nach meiner Erfahrung ist das Daily Scrum das Scrum-Ereignis mit der höchsten Anti-Pattern-Dichte unter allen Ereignissen. Erfahren Sie mehr über die Daily Scrum Anti-Patterns, die Ihren Weg zur Agilität gefährden.

Daily Scrum Anti-Patterns — Berlin Product People GmbH

Der Sinn des Daily Scrum-Events

Der Zweck des Daily Scrum ist im Scrum Guide klar beschrieben:

The Daily Scrum is a 15-minute time-boxed event for the Development Team. The Daily Scrum is held every day of the Sprint. At it, the Development Team plans work for the next 24 hours. This optimizes team collaboration and performance by inspecting the work since the last Daily Scrum and forecasting upcoming Sprint work. The Daily Scrum is held at the same time and place each day to reduce complexity.

The Daily Scrum is an internal meeting for the Development Team. If others are present, the Scrum Master ensures that they do not disrupt the meeting.

Daily Scrums improve communications, eliminate other meetings, identify impediments to development for removal, highlight and promote quick decision-making, and improve the Development Team’s level of knowledge. This is a key inspect and adapt meeting.

Quelle: Scrum Guide 2017.

Das Daily Scrum ist ein wesentliches Element der Inspektions-/Anpassungsschleife. Es wird vom Entwicklungsteam durchgeführt und geleitet dieses für die nächsten 24 Stunden auf seinem Weg zum Erreichen des Sprint-Ziels. Das Daily Scrum ist der kürzeste Planhorizont in Scrum und damit verpflichtend.

Entgegen der landläufigen Meinung ist die 15-minütige Timebox nicht dazu gedacht, alle während des Daily Scrum angesprochenen Probleme zu lösen. Es geht darum, Transparenz zu schaffen und damit die Inspektion anzustoßen. Ist z.B. eine Anpassung des Plans oder des Sprint Backlogs erforderlich, steht es dem Entwicklungsteam frei, die daraus entstandenen Probleme jederzeit zu bearbeiten. Nach meiner Erfahrung resultieren die meisten Daily Scrum Anti-Patterns aus einem Missverständnis dieses Kernprinzips.

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Scrum Anti-Patterns – Von dysfunktionalen Scrum-Teams bis zu Defiziten der Organisation

Normalerweise braucht ein gutes Scrum Team nicht mehr als 10 bis 15 Minuten, um seinen Fortschritt auf dem Weg zum Sprint-Ziel zu überprüfen. Angesichts dieser kurzen Zeitspanne ist es interessant zu beobachten, dass das Daily Scrum oftmals so viele Anti-Patterns erzeugt. Die Anti-Patterns decken dabei oft ein breites Spektrum ab, das von dysfunktionalen Scrum-Teams bis hin zu offensichtlichen Fehlern auf organisatorischer Ebene reicht.

Meine unpriorisierte Liste bekannter Daily Scrum Anti-Patterns ist folgende:

  1. Keine Routine: Das Daily Scrum findet nicht jeden Tag zur gleichen Zeit und am gleichen Ort statt. (Während Routine das Potenzial hat, jede Retrospektive zu ruinieren, ist sie im Kontext des Daily Scrum hilfreich. Betrachten Sie es als einen spontanen Drill: Nicht zu viel Aufwand im Voraus betreiben, nicht lange nachdenken, sondern einfach machen. Das Überspringen von Daily Scrums öffnet dem Verfehlen des Sprint-Ziels Tür und Tor: Wenn Sie ein oder zwei Daily Scrums überspringen, warum nicht gleich jedes zweite Mal?)
  2. Statusreport: Das Daily Scrum ist ein Statusreport-Meeting, und die Mitglieder des Entwicklungsteams warten darauf, ihre Fortschritt an den Scrum Master, den Product Owner oder vielleicht sogar an einen Stakeholder zu „berichten“.
  3. Nur Ticketnummern: Updates sind generisch und haben für andere keinen oder nur geringen Wert. („Gestern habe ich an X-123 gearbeitet. Heute werde ich an X-129 arbeiten.“)
  4. Problemlösungsmeeting: Diskussionen werden angestoßen, um Probleme zu lösen, anstatt diese zu parken, damit sie nach dem Daily Scrum gelöst werden können.
  5. Planungsmeeting: Das Entwicklungsteam nutzt das Daily Scrum, um neue Anforderungen zu diskutieren, User Stories zu verfeinern oder eine Art (Sprint)-Planning durchzuführen.
  6. Orientierung verloren: Das Daily Scrum dient einem Zweck, indem es eine einfache Frage beantwortet: Sind wir noch auf dem richtigen Weg, um das Sprint-Ziel zu erreichen? Oder müssen wir den Plan oder das Sprint Backlog oder beides anpassen? Viele Development Teams können diese Frage nicht auf Anhieb beantworten. (In dieser Hinsicht ist die Visualisierung des Fortschritts auf dem Weg zum Sprint-Ziel eine nützliche Übung. Vor einigen Jahren wurde die Verpflichtung des Entwicklungsteams, ein Burndown-Diagramm zu pflegen, aus dem Scrum Guide entfernt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein Burndown-Diagramm unnütz ist.)
  7. Keine Verwendung des Alters von Arbeitsaufgaben (work item age): Ein Mitglied des Entwicklungsteams hat Schwierigkeiten, eine Arbeitsaufgabe über mehrere aufeinanderfolgende Tage hinweg zu lösen, und niemand bietet Hilfe an. (Oft ist dieses Ergebnis ein Zeichen dafür, dass entweder die Teammitglieder einander nicht vertrauen oder sich nicht umeinander kümmern. Oder die Arbeitsbelastung des Entwicklungsteams ist so hoch, dass sie sich nicht mehr gegenseitig unterstützen können. Hinweis: Natürlich erwähnt der Scrum Guide nicht das „Work Item Age“. Es hat sich jedoch als nützliche Praxis erwiesen.)
  8. Monologe: Teammitglieder verletzen die Time-Box und starten Monologe. (60 bis 90 Sekunden pro Teammitglied sollten mehr als genug Sendezeit sein.)
  9. Statler und Waldorf: Ein paar Teammitglieder kommentieren jedes Problem. (Normalerweise ist das nicht nur Zeitverschwendung, sondern neigt auch dazu, bevormundend und ärgerlich zu sein.)
  10. Fehlender Respekt I: Andere Teammitglieder sprechen, während jemand seinen oder ihren Fortschritt mit dem Entwicklungsteam teilt. (Die Verwendung von Sprech-Token unter Erwachsenen, um solche Daily Scrum Anti-Patterns wie dieses zu vermeiden, qualifiziert sich meiner Meinung nach nicht als eine Lösung.)
  11. Zuweisungen: Der Product Owner — oder auch der „Scrum Master“ — vergibt Aufgaben direkt an die Teammitglieder.
  12. Mangelnde Vorbereitung: Teammitglieder sind nicht auf das Daily Scrum vorbereitet. („Ich habe einige Dinge gemacht, aber ich kann mich nicht erinnern, was. War aber wichtig.“)
  13. Schichtbeginn: Das Daily Scrum fungiert als eine Art künstliche Fabriksirene, um die nächste Schicht einzuläuten. (Dies ist ein häufiges Artefakt aus dem Industriezeitalter, bei dem das Vertrauen der Vorgesetzten in die Selbstorganisationsfähigkeiten des Entwicklungsteam fehlt.)
  14. Fehlender Respekt II: Die Teammitglieder kommen verspätet oder gar nicht zum Daily Scrum. (Dies stellt ein massives Risiko für das Entwicklungsteam dar, wenn es den Plan zur Erreichung des Sprintziels prüft und ggf. auf der Grundlage unvollständiger Informationen anpasst. Dies wird zwangsläufig die Wahrscheinlichkeit verringert, dass das Sprint-Ziel erreicht wird.)
  15. Übermässiges Feedback: Teammitglieder kritisieren andere Teammitglieder sofort, um eine Diskussion anzufachen, anstatt ihre Einwände nach dem Daily Scrum weiter zu verfolgen.
  16. Zu viele Teilnehmer: Das Daily Scrum ist aufgrund einer großen Anzahl aktiver Teilnehmer nahezu wirkungslos. (Es gibt einen Grund, warum der Scrum Guide empfiehlt, die Anzahl der Mitglieder des Entwicklungsteams auf neun zu begrenzen.)
  17. Gesprächige Stakeholder: Die „Chickens“ nehmen aktiv am Daily Scrum teil. (Die Stakeholder sollten zuhören, aber die Mitglieder des Entwicklungsteams während ihrer Inspektion nicht ablenken.)
  18. Command & Control durch das Management: Die Vorgesetzten nehmen am Daily Scrum teil, um „Leistungsdaten“ über einzelne Teammitglieder zu sammeln. (Dieses Daily Scrum Anti-Pattern widerspricht dem Zweck selbstorganisierender Teams.)
  19. „Hättest Du nach dem Stand-up kurz Zeit?“: Die Vorgesetzten warten bis zum Ende des Daily Scrum und sprechen dann einzelne Mitglieder des Entwicklungsteams an, um Berichte von ihnen zu erhalten. (Netter Versuch. Dieser Hack ist aber auch ein unerwünschtes Verhalten und lenkt das Entwicklungsteam ab.)
  20. Mehrarbeit: Der Product Owner oder auch andere Stakeholder versuchen, während des Daily Scrum neue Arbeiten in den aktuellen Sprint einzubringen. (Dieses Verhalten kann für Fehler der höchsten Prioritätsstufe akzeptabel sein, obwohl das Entwicklungsteam diese vor dem Daily Scrum in der Regel bereits kennen sollte. Andernfalls liegt die Zusammensetzung des Sprint Backlogs in der alleinigen Verantwortung des Entwicklungsteams.)
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Einige Teams bevorzugen es, ihr Daily Scrum in Slack abzuhalten, insbesondere diejenigen, die verteilt bzw. im Homeoffice arbeiten. Die Verwendung von Slack manifestiert kein Daily Scrum Anti-Pattern an sich; es ist das Vorrecht des Entwicklungsteams, das Daily Scrum in beliebiger Weise durchzuführen, so lange es seinem Zweck dient: der Überprüfung des Plans zur Erreichung des Sprint-Ziel für die kommenden 24 Stunden. (Ich arbeitete einmal mit einem Scrum-Team zusammen, das Slack als bevorzugte Methode für das Daily Scrum benutzte, obwohl alle im selben Raum saßen. Es hat funktioniert.)

Fazit

Angesichts der Bedeutung des Daily Scrum für den Erfolg der Bemühungen des Scrum Teams, das Sprint-Ziel zu erreichen, ist die Dichte der Anti-Muster keine Überraschung. Teilnehmer scheinen entweder unwissend (oder zumindest weniger gut ausgebildet) über seinen Zweck zu sein. Oder sie stören — absichtlich oder nicht — die Selbstorganisation des Entwicklungsteams. Auf die eine oder andere Weise ist es eine wichtige Aufgabe des Scrum Master, alle Teilnehmern am Daily Scrum zu unterstützen, diese typischen Scrum-Anti-Muster zu überwinden.

Welche Daily Scrum Anti-Patterns haben Sie im Alltag beobachtet? Bitte teilen Sie uns dies in den Kommentaren mit.

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