Verteiltes agiles Arbeiten (5): Virtuelle Retrospektiven

Remote Agile Distributed Teams — Berlin Product People GmbH

In Kürze: Virtuelle Retrospektiven mit verteilten Teams

Wir begannen diese Reihe zum Thema verteiltes agiles Arbeiten mit der Untersuchung von Praktiken und Werkzeugen, gefolgt von der Erkundung virtueller Liberating Structures, dem Meistern von Zoom und der Vermeidung von typischen Fehlern in der Arbeit mit verteilten Teams. Dieser fünfte Artikel befasst sich nun damit, wie virtuelle Retrospektiven mit verteilten Teams organisiert werden können: Praktiken, Tools und Erfahrungen aus dem Alltag.

Virtuelle Retrospektiven mit verteilten Teams — Berlin Product People GmbH

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Der Scrum Guide über die Sprint Retrospektive

Laut Scrum Guide erfüllt die Sprint Retrospektive folgenden Zweck:

The purpose of the Sprint Retrospective is to:

  • Inspect how the last Sprint went with regards to people, relationships, process, and tools;
  • Identify and order the major items that went well and potential improvements; and,
  • Create a plan for implementing improvements to the way the Scrum Team does its work.

The Scrum Master encourages the Scrum Team to improve, within the Scrum process framework, its development process and practices to make it more effective and enjoyable for the next Sprint. During each Sprint Retrospective, the Scrum Team plans ways to increase product quality by improving work processes or adapting the definition of „Done“, if appropriate and not in conflict with product or organizational standards.

By the end of the Sprint Retrospective, the Scrum Team should have identified improvements that it will implement in the next Sprint. Implementing these improvements in the next Sprint is the adaptation to the inspection of the Scrum Team itself. Although improvements may be implemented at any time, the Sprint Retrospective provides a formal opportunity to focus on inspection and adaptation.

Quelle: Scrum Guide 2017.

Die Ausführungen zur Sprint Retrospektive sind m.E. überzeugend, da sie das Warum, das Was und das Wie der Retrospektive thematisieren. Daher gibt es überhaupt keinen Grund, von diesen Vorgaben abzuweichen, nur weil wir in einem verteilten Umfeld arbeiten.

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Die Schulung verteiltes agiles Arbeiten wird in drei Blöcken von je 2,5 Stunden innerhalb von zwei Wochen angeboten. Die Unterrichtssprache der Schulung verteiltes agiles Arbeiten ist Englisch. Sie können Ihren Platz hier direkt buchen:

23. Juni, 30. Juni und 7. Juli 2020 von 16:00 bis 18:30 Uhr MESZ:

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Virtuelle Retrospektiven mit virtuellen Liberating Structures und Zoom-Breakout-Räumen

Die folgenden Vorschläge, wie virtuelle Retrospektiven als Moderator oder Scrum Master gehandhabt werden können, basieren auf zwei Annahmen: a) wir verwenden Zoom als Videoanwendung, da wir in Breakout-Räumen arbeiten müssen, und b) unsere Retrospektiven sind um Liberating Structures-Strings herum modelliert. (Letzteres schließt nicht aus, dass auch andere Techniken aus dem agilen Werkzeugkasten verwendet werden können, und davon gibt es viele auf Retromat oder Tasty Cupcakes.)

Virtuelle Liberating Structures Designelemente

Virtuelle Liberating Structures haben eine Reihe gemeinsamer Designelemente:

  • Breakout-Räume dienen dazu, die gesamte Teilnehmergruppe in kleinere Arbeitsgruppen aufzuteilen, beginnend mit zwei Teilnehmern. (Zu diesem Zweck verwende ich Zoom).
  • Die Stummschaltung wird — über den Zweck der Lärmreduzierung hinaus — verwendet, um verschiedene Zustände der Teilnehmer zu markieren. Bei der Übung „Conversation Café“ werden während der Runden 1, 2 und 4 beispielsweise alle stummgeschaltet, mit Ausnahme der Person, die ihre Gedanken teilt.
  • Das Ein- und Ausschalten des Videostreams wird verwendet, um zwischen den Rollen zu unterscheiden, z.B. zwischen dem inneren Kreis und dem äußeren Kreis der User Experience Fishbowl. Hier schalten die Mitglieder des äußeren Kreises sowohl ihr Video aus als auch sich selbst stumm.
  • Ein gemeinsamer Arbeitsbereich ist zur Aggregation von Arbeitsergebnissen erforderlich, zum Beispiel als Resultat einer 1-2-4-All-Session. Dies kann ein einfaches Google-Slide, eine Confluence-Seite, ein digitales Whiteboard oder ein FunRetro.io-Board sei.
  • Arbeitsbücher sind nützlich, um den Teilnehmern Anweisungen zu geben, wenn sie in Breakout-Räumen arbeiten. Zum Beispiel könnte dies eine detaillierte Beschreibung sein, wie eine einzelne Liberating Structures-Übung funktioniert.
  • Ein Chat-Kanal wird verwendet, um die synchrone Kommunikation innerhalb der gesamten Gruppe zu erleichtern.

Die folgenden LS-Mikrostrukturen beziehen sich auf diese Grundmuster von virtuellen Liberating Structures.

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Die 5 Phasen von virtuellen Retrospektiven

Ich habe den folgenden Entwurf für virtuelle Retrospektives nach den fünf Phasen des Buches “Agile Retrospectives” von Esther Derby und Diana Larsen modelliert:

I. Vorbereitung

  • Impromptu Networking: Dies ist eine einfache Anwendung von Breakout-Räumen. Stellen Sie nur sicher, dass nach jeder Runde die Paare neu gebildet werden. Stellen Sie die Einladung sowie die drei Fragen im Voraus zur Verfügung.
  • Einen Mad Tea in der virtuellen Welt zu organisieren, erfordert im Vergleich zu Impromptu Networking einen anderen Ansatz. Natürlich können wir nicht zwei konzentrische Kreise von Teilnehmern, die einander gegenüber stehen, nachbilden. Wir können jedoch für die Vervollständigung der Halbsätze durch die Teilnehmer den Chat-Kanal nutzen, um uns schnell ein umfassendes Bild von der Stimmung des Teams zu machen. Bereiten Sie als Moderator vorab einige Aufforderungen zum Thema der Retrospektive vor, z. B. „wenn ich an unseren letzten Sprint denke, dann…“ Stellen Sie diese Aufforderung dann in den Chat und bitten Sie die Teilnehmer, ihre Antworten zu formulieren, aber nicht nicht die Eingabetaste zu drücken. Dies wird von allen Teilnehmern gleichzeitig getan, wenn der Moderator darum bittet. Das Ergebnis ist eine Liste von Antworten aller Teilnehmer im Chat. Ermöglichen Sie dem Scrum Team, die Antworten zu überfliegen, und fahren Sie dann mit einem weiteren Halbsatz fort.
  • Verwenden Sie Check-Ins mit Emojis. (Industrial Logic hat zu diesem Zweck eine Reihe von SprintMojis erstellt).
  • Wählen Sie aus einer wachsenden Liste von Online-Kennenlernspielen. (Siehe z. B. Online Warm Ups & Energizers oder 10 Fun Virtual Icebreakers to Take Remote Working to the Next Level.)
  • Erwägen Sie die Ausarbeitung einer Arbeitsvereinbarung für das bevorstehende Treffen oder den Workshop, wenn das Team dies noch nicht getan hat.
Upcoming Scrum and Liberating Stuctures training classes and workshops — Berlin Product People GmbH

II. Daten sammeln

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Daten für bevorstehende virtuelle Retrospektiven zu sammeln. Wahrscheinlich möchten Sie quantitative Metriken wie Zykluszeit oder die Anzahl der Fehler, die in die Produktion gelangt sind, verfolgen. Oder Sie interessieren sich vielleicht für qualitative Metriken wie die Team Health oder die Stimmung der Team-Mitglieder. Der Punkt ist, dass es in Bezug auf die Daten keine Rolle spielt, ob das Scrum-Team die Analyse von Angesicht zu Angesicht oder aus der Ferne durchführt: Beide Umgebungen bieten Zugang zu den gleichen Daten. Typische Praktiken der Datenerhebung für Retrospektiven sind:

  • Impromptu Networking ist nicht nur eine ausgezeichnete Möglichkeit, ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Teilnehmern zu schaffen, sondern es ist auch eine nützliche Übung, um Daten zu sammeln, wenn die Einladung richtig gestaltet ist.
  • Anonyme Umfragen bieten die Möglichkeit, Daten sowohl während der Retrospektive als auch im Vorfeld zu sammeln. Diese Umfragen können Sprint-spezifisch sein und zwischen dem Sprint-Review und der Retrospektive angesiedelt werden. Alternativ dazu können es offene Umfragen sein, wie z. B. eine permanente Vorschlagsbox. Oder sie werden in regelmäßigen Abständen durchgeführt, um den Fortschritt in Bereichen von Interesse zu verfolgen. Geeignete Anwendungen für diesen Zweck sind beispielsweise Google Forms, Typeform oder SurveyMonkey. (Ich führe gewöhnlich nach jedem Sprint-Review anonyme Umfragen mit Scrum-Teams durch und frage nach dem wahrgenommenen Wert, der während des letzten Sprints geschaffen wurde, nach dem Stand der technischen Schulden, dem NPS des Arbeitgebers und schließlich nach der persönlichen Einschätzung der Team-Mitglieder: Seid Ihr zufrieden oder sucht Ihr Euch bereits einen neuen Job?)
  • Eine Teilmenge der anonymen Umfrage ist das Team Radar. Es ist eine großartige Möglichkeit, Transparenz über wichtige Teamangelegenheiten zu schaffen und ihre Entwicklung im Laufe der Zeit zu verfolgen. (Ein Team-Radar, das ich regelmäßig mit allen Scrum-Teams durchführe, ist zum Beispiel das Scrum Values-Radar).
  • Schließlich können Sie Metriken aus unterstützenden Anwendungen ableiten, zum Beispiel aus Ihrem Ticketsystem. (Seien Sie jedoch vorsichtig mit den Berichten, die vorinstalliert zur Verfügung stehen. Häufig liefern diese keine nützlichen, auf Ihre Situation zugeschnittenen Metriken).

III. Einblicke aus den Daten generieren

Nach dem Sammeln der Daten ist es an der Zeit, diese sinnvoll zu analysieren. Die folgenden drei LS-Mikrostrukturen haben sich hierzu als nützlich erwiesen, auch in einer verteilten agilen Arbeitsumgebung:

  • What, So What, Now What? ist eine Abfolge von Einzel- und Gruppenarbeiten auf der Grundlage von Breakout-Räumen, der Zusammenführung von Ergebnissen in gemeinsamen Arbeitsbereichen, die am Ende mit der gesamten Gruppe geteilt werden.
  • TRIZ ist ebenfalls eine Kombination von Grundelementen virtueller Liberating Structures: Breakout-Räume, eingebettetes 1-2-4-All, gemeinsame Arbeitsbereiche sowie Shift & Share, wenn mehrere Gruppen gleichzeitig an dem Problem arbeiten. Ziehen Sie die Zeiterfassung für die Teams in Betracht, da deren Teilnehmer ohne Unterstützung wahrscheinlich die Zeit aus den Augen verlieren werden.
  • Conversation Café: Erstellen Sie Gruppen mithilfe der Breakout-Raum-Funktion und identifizieren Sie für jeden Raum einen Gastgeber für die Zeitmessung. Verwenden Sie während der Runden 1, 2 und 4, in denen nur ein Teilnehmer spricht, während die anderen zuhören, die Stummschaltung für die Zuhörer. Wenn die Zeitbox abgelaufen ist, „übergibt“ der vorher sprechende Teilnehmer das „Mikrofon“, indem er oder sie den nächsten Teilnehmer aufruft und sich dann selbst stumm schaltet. Ziehen Sie als Moderator auch in Erwägung, den Gastgebern eine Matrix/Tabelle mit Runden und Sprechern zur Verfügung zu stellen, um sicherzustellen, dass jeder Teilnehmer am Conversation Café einen fairen Anteil an der Redezeit hat.
  • IV. Entscheidungen treffen

    Der nächste Schritt von virtuellen Retrospektiven besteht darin, sich auf Verbesserungen zu einigen, die es dem Scrum Team ermöglichen, zu wachsen und reifer zu werden. Vier Liberating Structures Mikrostrukturen, die für diesen Zweck gut geeignet sind:

    • 15% Solutions: Wir verwenden hier ein ähnliches Verfahren wie bei der TRIZ. Ziehen Sie in Betracht, alle Vorschläge im gemeinsamen Arbeitsbereich der gesamten Gruppe zusammenzufassen, damit diese über Abstimmung noch priorisierten werden können. (Ich benutze dazu gerne die Lean Coffee-Funktion eines FunRetro.io-Boards: Es ist in der Anwendung einfach und braucht nicht viel Erklärungen.)
    • 25/10 Crowd Sourcing: Diese Mikrostruktur gehört zu jenen, die mit den derzeit verfügbaren Werkzeugen online nur schwer nachgebildet werden können. Der folgende Prototyp ist noch nicht zufriedenstellend, aber in die richtige Richtung weisend: Sammeln Sie mit über ein Onlineformular die Vorschläge der Teammitglieder zum Thema. Wenn alle Teilnehmer das Formular ausgefüllt haben, exportieren Sie die Antworten als CSV-Datei und importieren Sie diese Datei in ein FunRetro.io-Board. Verteilen Sie als Moderator die Antworten in Fünferpaketen auf neue Spalten. Aktivieren Sie dann die Abstimmung und bitten Sie die Teilnehmer, sich eine Spalte auszusuchen, die nicht die eigene Antwort enthält, und dann über alle Antworten abzustimmen. Stellen Sie die Anzahl der verfügbaren Stimmen so hoch ein, dass für jede Antwort in einer Spalte zwischen 1 und 5 Stimmen vergeben werden kann. Wenn die Abstimmung beendet ist, verschieben Sie alle Antworten in eine Spalte und aktivieren Sie die „Stimmenauszählung“ von FunRetro.io. Schließlich sortieren Sie diese Spalte nach Stimmen. (Es gibt viele Probleme bei diesem Prozess. Sie haben zum Beispiel nur sieben Antworten, nicht zehn — dann geht der Abstimmungsprozess nicht auf.)
    • Lean Coffee: Lean Coffee ist ein vortreffliches Beispiel für einen Workaround für virtuelle befreiende Strukturen. Sammeln Sie alle Eingaben auf die übliche Weise, z. B. in 1-2-4-All, und aggregieren Sie diese auf zum Beispiel auf einem FunRetro.io-Board, während die Abstimmungsfunktion ausgeschaltet ist. (Verwenden Sie zum Sammeln mehrere Spalten, wenn die gesamte Gruppe groß ist, um den Sammelprozess zu beschleunigen. Alternativ können Sie Daten auch per CSV-Datei in das Board importieren, wenn diese zuvor zum Beispiel über eine Formularapplikation erfasst wurden). Bitten Sie dann die ganze Gruppe, ähnliche Themen zu clustern. Wenn dies erfolgt ist, schalten Sie die Abstimmungsfunktion ein. Sobald die Abstimmung erfolgt ist, ordnen Sie die Einträge auf Basis der erhaltenen Stimmen. Damit ist die Agenda bestimmt und Sie können mit der Diskussion in der ganzen Gruppe fortfahren. Alternativ engagieren Sie kleinere Gruppen wiederum über Breakout-Räumen in der parallelen Bearbeitung von Themen. Dann wandelt sich die Lean-Coffee-Übung in einen Open Space.
    • Ecocycle Planning: Im Prinzip wenden wir die gleichen Techniken wie bisher an, von Breakout-Räumen bis hin zu gemeinsamen Arbeitsbereichen. Angesichts der großen Anzahl von „Stickies“, die Sie normalerweise während der Ecocycle Planning-Session produzieren, sollten Sie eine spezielle Online-Board-Anwendung wie Miro oder Mural in Erwägung ziehen; ein Google Slide wird dafür in der Regel nicht ausreichend sein. (Bitte beachten Sie jedoch, dass beide Tools nicht selbsterklärend sind und eine Vorbereitungssitzung mit den Teilnehmern erfordern, um sie nicht unnötig zu frustrieren.)

    V. Abschluss virtueller Retrospektiven

    Der letzte Schritt einer virtuellen Retrospektive ist der Abschluss oder Check-out. Im Grunde handelt es sich um eine Mini-Retrospektive innerhalb der „großen“ Retrospektive, die sich darauf konzentriert, über das Geschehene nachzudenken und Feedback zu geben: War die Zeit gut genutzt oder müssen wir unseren Ansatz für virtuelle Retrospektiven beim nächsten Mal ändern? Um diese Art von Feedback anzuregen, ist es von größter Wichtigkeit, den Prozess kurz und einfach zu halten. Obwohl wir beim Verlassen des Besprechungsraums nicht durch eine Tür gehen, gibt es viele Möglichkeiten, das Feedback der Teammitglieder virtuell einzuholen:

    • Wir können die Praxis des „Post-its auf Türen kleben“ mit dem Annotation-Werkzeug der Videoanwendung auf einer vorbereiteten Grafik nachbilden. Hierzu hinterlassen alle Teilnehmer glecihzeitig ein Symbol auf einer Skala von 🤬 und 🧐 bis zu 😀.
    • Dann ermöglichen einige Anwendungen das Sammeln von Live-Feedback, wie z. B. Poll Everywhere.
    • Alternativ können Sie eine „Fist of Five“-Abstimmung durchführen. (Stellen Sie jedoch sicher, dass jeder die Skala im Voraus kennt. Nehmen Sie die Skala zum Beispiel in die Arbeitsvereinbarung auf, wenn Sie diese Abstimmungspraxis regelmäßig anwenden.)

    Unterstützende Liberating Structures Mikrostrukturen

    Zwei Liberating Structures können allgemein virtuelle Retrospektiven mit einem größeren Team unterstützen: 1-2-4-All und Shift & Share:

    • 1-2-4-All: Um 1-2-4-All abzudecken, brauchen wir Breakout-Räume und einen Ort, an dem die Ergebnisse aggregiert werden können. Wir beginnen mit den Teilnehmern der gesamten Gruppe mit einer stillen Reflektion über die Frage. Dann teilen wir die gesamte Gruppe mithilfe der Breakout-Räume für 3 Minuten in Paare auf. Nach dieser Runde legen wir für fünf Minuten zwei Paare zu einer Vierergruppe zusammen — dies muss der Moderator derzeit noch manuell durchführen — und diese Vierergruppe aggregiert anschließend ihre Ergebnisse, beispielsweise auf einem Google Slide. (Es empfiehlt sich, diese für jede Gruppe im Voraus vorzubereiten.) Wir können nunmehr die Ergebnisse jeder Vierergruppe in der gesamten Gruppe vorstellen, indem wir im Rahmen einer virtuellen Shift & Share-Session den Bildschirm des Moderators teilen, während Vertreter jeder Vierergruppe ihre Resultate erklären.
    • Shift & Share: Jede Arbeitsgruppe präsentiert ihre Ergebnisse der gesamten Gruppe per Bildschirmfreigabe. Wenn der gemeinsam genutzte Arbeitsbereich im Voraus erstellt wurde, z. B. Google Slides mit einer Folie pro Arbeitsgruppe, kann der Moderator alternativ seinen Bildschirm freigeben, während jemand aus dem jeweiligen Team dessen Ergebnisse der gesamten Gruppe erläutert. Dadurch wird der Stress des Ein- und Ausschalten der Bildschirmfreigabe über mehrere Gruppen hinweg verringert.
    • Anwendungen für virtuelle Retrospektiven

      Anstatt eine Reihe von Liberating Structures auf eine verteilte Retrospektive zuzuschneiden, gibt es natürlich auch andere Optionen:

      • Es gibt spezielle Retrospektiven-Anwendungen für verteilte Teams. Bekannte Anbieter sind Retrium, FunRetro oder TeamRetro.
      • Dann gibt es digitale Arbeitsbereichsanwendungen, insbesondere digitale Whiteboards wie Miro und Mural, die oft vorgefertigte Vorlagen für Retrospektiven haben. Ein weiteres Beispiel wäre Atlassian’s Confluence, das ebenfalls eine einfache Vorlage bietet, die sich am Scrum Guide orientiert.
      • Schließlich ermöglichen Workarounds, die auf allgemein einsetzbaren Cloud-Werkzeugen wie Google Docs oder Office 365 basieren, auch die Durchführung von zumindest rudimentären virtuellen Retrospektiven.

      Bewährte Praktiken für virtuelle Retrospektiven

      Von der Liste aller Praktiken, die im Allgemeinen für verteilte agile Ereignisse gelten, siehe Verteiltes agiles Arbeiten (1): Praktiken & Werkzeuge für Scrum Master & agile Coaches, möchte ich auf drei Praktiken hinweisen, die das Moderieren wesentlich erleichtern:

      • Erstellen Sie im Voraus ein Skript mit dem voraussichtlichen Zeitplan der virtuellen Retrospektive, einschließlich aller erforderlichen Dokumente, die den Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden sollen, und aller Texte, die Sie während der Session für den Chat zur Verfügung stellen müssen.
      • Dokumentieren Sie das Ergebnis von virtuellen Retrospektiven, damit die Teammitglieder diese zu einem späteren Zeitpunkt erneut einsehen können. Schränken Sie den Zugriff auf sensible Informationen ein, indem Sie die Zugriffsrechte strikt auf die Teammitglieder beschränken. (Und seien Sie darauf vorbereitet, neugierigen oder fordernden Vorgesetzten die Notwendigkeit dieses Vorgehens zu erklären.)
      • Behalten Sie die geplanten Verbesserungen gut im Auge. Ohne eine prominente Platzierung dieser im virtuellen Teamraum werden Verbesserungsvorschläge oft vergessen. (“When you put problem in a computer, box hide answer. Problem must be visible!” Hideshi Yokoi, früherer Präsident des Toyota Production System Support Centers in Erlanger, Kentucky, USA.)

      Virtuelle Retrospektiven — Fehlermuster

      Im Allgemeinen gibt es viele Retrospektiven Anti-Patterns. Ich möchte jedoch auf einige Anti-Muster von Scrum Mastern hinweisen, die für virtuelle Retrospektiven besonders relevant sind:

      • Zeitverschwendung: Die Retrospektive lohnt sich unterm Strich nicht. (Wahrscheinlich ist sie unzureichend vorbereitet, oder das Team verfügt nicht über die erforderlichen Fähigkeiten, um eine aussagekräftige virtuelle Retrospektive durchzuführen.)
      • Gefangene: Einige Teammitglieder nehmen nur teil, weil sie zur Teilnahme gezwungen sind. (Zwingen Sie niemanden, an einer Retrospektive teilzunehmen. Stattdessen sollte die Teilnahme ihre Zeit wert sein. Das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung im Team muss intrinsisch motiviert sein und nicht durch Angst oder Zwang. Mein Tipp: Retromats „Why are you here?“-Übung ist von Zeit zu Zeit ein guter Auftakt für eine Retrospektive.)
      • Keine psychologische Sicherheit: Einige wenige Teilnehmer dominieren die Retrospektive, während die introvertierteren Teammitglieder sich zurückziehen, und der Scrum Master stellt sich diesem Fehlverhalten nicht. (Bei der Arbeit aus der Ferne muss der Moderator in manchen Situationen durchsetzungsfähiger werden; ein Laissez-faire-Scrum Master ist dieser Aufgabe normalerweise nicht gewachsen.)
      • Und täglich grüßt das Murmeltier: Eine nützliche Routine ist zu einem sinnlosen Ritual verkommen. (Wenn Sie das Retrospektivenformat im gleichen Stil immer wieder ausführen, wundern Sie sich nicht, wenn a) das Team seine Arbeitsweise nicht mehr verbessert und b) die Stimmung kippt. Das Problem für den Moderator besteht darin, dass dieser Effekt in einer verteilten Umgebung im Vergleich zu einer von Angesicht zu Angesicht durchgeführten Retrospektive deutlich schneller eintritt; verteiltes agiles Arbeiten beschleunigt die Enthüllung von Problemen in der Zusammenarbeit deutlich.)

      Fazit

      Als verteiltes, agiles Team zu arbeiten, ist in vielerlei Hinsicht schwieriger als dies an einem gemeinsamen Standort zu tun: Das „Lesen des Raumes“ ist zum Beispiel wesentlich komplizierter, und die Kommunikation fordert ihren Tribut, da das geliebte informelle Treffen an der Kaffeemaschine nicht mehr stattfindet. Plötzlich verteilt zu sein, bedeutet jedoch nicht, dass wir keine effektiven Events mehr haben können. Ganz im Gegenteil: Die Notwendigkeit, im Vorfeld mehr Vorbereitungsarbeit zu leisten, kann eine Chance bieten, die Nützlichkeit von Scrum Events allgemein zu verbessern. Ich halte virtuelle Retrospektiven in dieser Hinsicht für besonders geeignet.

      Welche Art von verteilten Retrospektiven haben Sie organisiert? Bitte teilen Sie uns dies in den Kommentaren mit.

      📺 Verteiltes agiles Arbeiten: Praktikes und Werkzeuge [Wiedergabe einer Live Virtual Class]

      Ende März führten wir die virtuelle Live-Schulung „Remote Agile Practices & Tools“ mit etwa 30 Teilnehmern aus ganz Europa, den USA und Kanada durch. Die Teilnehmer einigten sich darauf, diese aufzuzeichnen und der agilen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Wir haben die Aufzeichnung leicht bearbeitet; zum Beispiel haben wir die Wartezeit während der Übungen gekürzt. Ansonsten gibt das Video eine Möglichkeit wieder, wie die Zusammenarbeit mit einem verteilten Team unter Verwendung von Zoom-Breakout-Räumen funktionieren kann.

      Mit Ausnahme von drei Unterrichtsblöcken von insgesamt etwa 20 Minuten bestand die gesamte Remote Agile-Schulung von 2:45 Stunden aus interaktiver Arbeit:


      Wenn Sie Fragen zur Schulung haben, lassen Sie es mich bitte über die Kommentare wissen, oder kontaktieren Sie mich über die Hands-on Agile Slack Community.

      Wenn das Video-Snippet nicht abgespielt wird, schauen Sie sich bitte das Video auf Youtube an: Remote Agile (1) Replay: Practices and Tools for Scrum Masters, Agile Coaches, and Product Owners.

      ✋ Nicht versäumen: Werden Sie Mitglied im 7.500-köpfigen „Hands-on Agile“ Slack Team

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      Virtuelle Retrospektiven — Weitere Artikel und Videos

      Verteiltes agiles Arbeiten (1): Praktiken & Werkzeuge für Scrum Master & agile Coaches.

      Alle Blog-Einträge zu Liberating Structures for Scrum.

      21 Sprint Retrospektive Anti-Patterns.

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      Tags: Liberating Structures, Retrospective, Sprint Retrospective, Sprint Retrospektive, Verteiltes agiles Arbeiten, Virtuelle Liberating Structures

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